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		<title>Der Tod des Teemeisters</title>
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		<pubDate>Sun, 03 Oct 2010 12:14:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Roman Der Tod des Teemeisters besteht aus fingierten Aufzeichnungen des Mönchs Honkaku, die sich über einen Zeitraum von über dreißig Jahren erstrecken und dessen sechs Kapitel oft sehr weit auseinander liegen. In Tagebucheinträgen, Episoden aus der Vergangenheit und anderen Aufzeichnungen beschreibt Honkaku, der bis zu dessen Tod der Gehilfe des Teemeisters Sen no Rikyū war, Gespräche mit Menschen, die seinen Meister kannten, und sogar auch mit seinem verstorbenen Meister selbst, dem er in Träumen und Visionen begegnet. Dabei beschäftigen Honkaku und den anderen Bekannten des Teemeisters Fragen, die dessen Tod aufwirft. Sen no Rikyū, der die Teekunst der Wabicha-Schule vollendete, wurde 1591 durch den Kriegsfürsten Hideyoshi der Selbstmord befohlen. Honkaku fragt dabei jedoch nicht bloß nach dem Grund, aus dem Hideyoshi das Leben seines Teemeisters beenden wollte. Es geht viel eher darum, was Sen no Riykū am Ende seines Lebens gefühlt haben mochte und weshalb er sich nicht gegen den Todesbefehl wehrte. Später wird auch der Nachfolger Sen no Rikyūs, Furuta Oribe, durch Shōgun Ieyasu zum Selbstmord gezwungen. Am Ende des Romans sieht Honkaku in einem Traum, weshalb sich sein Meister zu sterben entschieden haben könnte. Dadurch, dass er dem Tod nahe tritt, ist er in der Lage, den wahren Sinn von Wabi zu verstehen. Weil nicht das Nichts, sondern nur der Tod alles auslöscht, ist er nur so in der Lage, sich vollkommen der Teezeremonie hinzugeben. So verspürt auch Oda Uraku, der Nachfolger Furuta Oribes, große Bewunderung für einen Samurai, der, in dem Wissen, dass der nächste Tag sein letzter sein würde, an seiner letzten Teezeremonie bei ihm teilnimmt.</p>
<p>Die durch den Selbstmord Sen no Rikyūs aufgeworfenen Fragen bilden aber lediglich den Hintergrund des Romans. Im Vordergrund steht der Teeweg. Die bei den Teezeremonien verwendeten Gerätschaften werden detailliert beschrieben. Es sind Einzelstücke, von denen jedes seine eigene Geschichte hat und einen eigenen Namen trägt, die Sen no Rikyū besonders gut zu wählen vermochte. Interessant ist auch die beschriebene Architektur von Teehäusern, deren Fläche oftmals nur zweieinhalb Tatamimatten beträgt. Der Roman bietet einen Einblick in eine Männerwelt, die ganz vom Tee beherrscht wird. So meint der einen Strand betrachtende Sen no Rikyū, man müsse auch die Asche im Kohlebecken bei der Teezeremonie so formen, wie die Wellen den Sand, und Furuta Oriba begibt sich neben einem Gefecht an einem Palisadenwall auf die Suche nach einem Bambusspachtel. Wer sich für den Teeweg und japanische Ästhetik interessiert, der wird in den Aufzeichnungen des Mönchs Honkaku eine spannende Lektüre finden. Möchte man noch mehr über die Teezeremonie erfahren, so mag folgendes Buch hilfreich sein:<br />
A.L. Sadler. Cha-no-Yu – The Japanese Tea Ceremony. Tuttle Publishing, 2001.</p>
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		<title>Schweigen</title>
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		<pubDate>Sun, 03 Oct 2010 12:07:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[„Schweigen“ von Endō Shūsaku ist ein durchaus kontroverser christlicher Roman, welcher im Mantel eines Historienromans daherkommt. Der 1966 erschienene mit dem Tanizaki-Preis ausgezeichnete Roman wird von vielen als Endōs größtes Werk gesehen. Die Handlung dreht sich um den Jesuiten Sebastiao &#8230; <a href="http://dokushoka.creeations.de/schweigen-81">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Schweigen“ von Endō Shūsaku ist ein durchaus kontroverser christlicher Roman, welcher im Mantel eines Historienromans daherkommt. Der 1966 erschienene mit dem Tanizaki-Preis ausgezeichnete Roman wird von vielen als Endōs größtes Werk gesehen.</p>
<p>Die Handlung dreht sich um den Jesuiten Sebastiao Rodriguez, welcher Japan 1638, also nach dem Shimabara Aufstand und des Einreiseverbots für Portugiesen und Spanier, besucht und dort von den Behörden gefangen genommen wird. Er wird nach Nagasaki gebracht und dort versucht der Statthalter lange vergeblich ihn zum Abkehr des Glaubens zu überreden.</p>
<p>Erst als der Statthalter androht solange unschuldige Christen umzubringen, bis Rodriguez vom Glauben abschwört, lenkt dieser ein und tritt auf ein Christusabbild, welches als Fumie bekannt ist, und schwört somit vom Glauben ab.</p>
<p>Kurz bevor er den Fuß auf das Abbild setzt, spricht dieses mit ihm und verlangt von ihm, dass er auf das es treten solle und vergibt ihm für diese Tat. Am Ende findet der gedemütigte Rodriguez wieder zu seinem Glauben zurück und erkennt, dass Jesus die ganze Zeit mit ihm mit gelitten hat und das es auf der Welt die Schwachen und die Starken gleichermaßen leiden.</p>
<p>Um diese beiden Erkenntnisse dreht sich die Aussage des Werkes. Von Anfang an wird der Gegensatz zwischen den starken Märtyrern, die für den Glauben sterben und den Schwachen, welche vom Glauben abfallen, um sich zu retten, gezeigt. Am Ende erkennt Rodriguez aber, dass die Schwachen ihr leben lang mit ihrem Gewissen zu kämpfen haben und deshalb ebenso leiden.</p>
<p>Die andere wichtige Erkenntnis ist, dass Jesus mit den Menschen mitleidet. Rodriugez fragt sich während seiner Gefangenschaft, warum Gott ihm und den Christen in Japan nicht hilft und verzweifelt am Schweigen Gottes so weit, dass er kurz davor ist selber zu Glauben, dass Gott nicht existiert. Am Ende erzählt ihm das Jesusabbild, dass Jesus mit den Menschen mitleidet und er selber erkennt, dass sein gesamtes Leben über die Existenz Gottes berichte.</p>
<p>„Schweigen“ ist zwar auch ein sehr gut recherchierter Historienroman aber trotz penibler Beschreibungen der damaligen Ereignisse und Lebensumstände der Japaner wird spätestens ab der Hälfte des Werkes ersichtlich, dass dies alles nur zur Dekoration da ist und der Herz des Romans seine christliche Botschaft ist, welche sich aber deutlich von der offiziellen der katholischen Kirche, deren Anhänger der Autor war, unterscheidet. Ein weiteres eher unterbewusstes Thema ist auch der Unterschied zwischen Asien bzw. dem einzigartigen Japan und Europa. Endō Shūsaku wurde vorgeworfen hier zu stark von der Nihonjinron beeinflusst worden zu sein, allerdings hat er selber persönlich diesen Unterschied kennen gelernt als er kurz nach dem 2.Weltkrieg nach Frankreich zum Studium ging. Für Japanologen ist dieser Aspekt allerdings sicher der Interessanteste an dem Werk.</p>
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		<title>Das Graskissen-Buch</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Aug 2010 17:36:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein namenloser Kunstmaler begibt sich von Tōkyō aus auf Wanderschaft, um Inspirationen für seine Bilder zu sammeln. Er macht eine Zeit lang Halt in Nekoi, einem kleinen Badeort in den Bergen. Dort macht er Ausflüge in die umliegende Landschaft und &#8230; <a href="http://dokushoka.creeations.de/das-graskissen-buch-123">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein namenloser Kunstmaler begibt sich von Tōkyō aus auf Wanderschaft, um Inspirationen für seine Bilder zu sammeln. Er macht eine Zeit lang Halt in Nekoi, einem kleinen Badeort in den Bergen. Dort macht er Ausflüge in die umliegende Landschaft und sinniert über die Natur, die Kunst und die Menschen. Er trifft auch auf die ungewöhnliche O-Nami; ungewöhnlich, weil sie auch schon mal völlig unerwartet für den Kunstmaler in ihrem Hochzeitskimono auf einer Veranda hin- und herflaniert oder auch mal einen selbstmörderischen Sturz von einem hohen Felsen fingiert.</p>
<p>In O-Nami findet der Kunstmaler das perfekte Motiv für ein Bild. Er stellt sich vor, wie sie bei ihrem Brautzug zu ihrer Hochzeit auf einem Schimmel unter herabfallenden Blüten reitet. Doch leider fehlt ihm eine Sache, um dieses Bild zu malen: Es ist ein ganz bestimmter Gesichtsausdruck, das Mitgefühl, das O-Nami nicht zeigt. Und schließlich bittet O-Nami den Kunstmaler noch, sie auf ihre Weise zu malen: Da sie vorhabe, sich zu ertränken, soll er sie, in einem Teich versinkend, mit einem friedlichen Gesichtsausdruck darstellen…</p>
<p><em>Kusamakura</em> („Das Graskissen-Buch“) spielt zur Zeit des Japanisch-Russischen Krieges (1904-1905) und beschwört eine ästhetische Traum- oder auch Kunstwelt herauf, in die sich der Kunstmaler auf Grund seiner Abneigung gegen die Moderne Japans flüchtet. Dem Künstler sind das Nützlichkeitsstreben seiner Mitmenschen und die Verwestlichung seiner Zeit zuwider, er ist bestrebt, die Menschen und seine Umgebung in Nekoi wie ein Nō-Drama, also eine Kunstwelt, zu betrachten und so auf seine ganz eigene Weise mit der Moderne umzugehen.</p>
<p>Der Roman führt in eine Welt der – überwiegend chinesisch-japanischen – Ästhetik und bildet dadurch eine Art Ruhepol im Gegensatz zur „raschen“ Modernisierung Japans in der Meiji-Zeit (1869-1912).</p>
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		<title>Der verbrannte Stadtplan</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Aug 2010 17:20:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Protagonist, ein bei einer einschlägigen Agentur angestellter – namenloser – Detektiv, erhält von einer Frau den Auftrag, nach ihrem vor sechs Monaten angeblich spurlos verschwundenen Mann zu suchen. Als einzigen Anhaltspunkt bekommt er ein Passfoto und eine Streichholzschachtel mit &#8230; <a href="http://dokushoka.creeations.de/der-verbrannte-stadtplan-2-121">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Protagonist, ein bei einer einschlägigen Agentur angestellter – namenloser – Detektiv, erhält von einer Frau den Auftrag, nach ihrem vor sechs Monaten angeblich spurlos verschwundenen Mann zu suchen. Als einzigen Anhaltspunkt bekommt er ein Passfoto und eine Streichholzschachtel mit der Aufschrift eines Cafés. Dazu kommt später noch eine handgezeichnete, bruchstückhafte Karte von dem Ort, wo der Verschwundene zuletzt gesehen worden sein soll. Die Frau, die von Anfang an eine sonderbare Faszination auf den Protagonisten auszüben scheint, die sich im Laufe der Handlung noch verstärkt, gibt sich passiv und unkooperativ und hilft dem Detektiv a mit keinerlei brauchbaren Informationen weiter. Offenbar hat sie noch einen Bruder, der das Meiste für sie organisiert, selbst aber nur schwer erreichbar ist. Als er und der Detektiv sich jedoch treffen, erkennen sie einander sogleich.</p>
<p>Der Detektiv geht zunächst gewissenhaft jeder noch so kleinen Spur nach und stellt a Hypothesen anhand der in Erfahrung gebrachten – spärlichen – Informationen auf. Diese a stellen sich im Laufe des Romans alle als falsch heraus und befragte Zeugen verschweigen häuﬁg scheinbar wichtige Informationen, die sich aber im Nachhinein doch als völlig bedeutungslos erweisen. Im Lauf des Romans stirbt der Bruder und ein Angestellter aus der Firma des Verstorbenen, der mit seinen Lügenaussagen zur allgemeinen Verwirrung beigetrage hat, begeht Selbstmord.</p>
<p>Der Detektiv macht sich schließlich auf den Weg aus der Stadt hinaus. Das Ende ist eine traumartige Sequenz, in der angedeutet wird, dass der Detektiv sein Gedächtnis verloren haben könnte, gleichzeitig sein Ich aber auch mit dem des Verschwundenen verschmolzen ist. Er kappt jede Verbindung zu seinem vorherigen Leben.</p>
<p>Abe nimmt in seinem postmodernen Anti-Kriminalroman typische Elemente aus dem Krimigenre auf, dreht und wendet diese, passt sie an seine Zwecke an und erzielt damit eine der des Krimis völlig entgegengesetzte Wirkung. Der mit Abe Kôbôs Gesamtwerk nicht vertraute Leser, der, vielleicht auch irregeführt von Umschlagtexten wie &#8220;Ein kriminalistisches Meisterwerk vom Klassiker der japanischen Moderne!&#8221;, auf den Kriminalroman-Köder anbeißt, muss nach und nach feststellen, dass es für diesen Fall keine Auflösung gibt &#8211; falls es denn überhaupt einen richtigen &#8220;Fall&#8221; gegeben hat. Man verliert sich im labyrinthartigen Gewirr von Spuren, die ins Leere führen, die Wahrnehmung des Ich-Erzählers, durch die das Geschehen gefiltert wird, wird zunehmend unzuverlässig und wirr. Spannendes Mitfiebern bei der kriminalistischen Spurensuche ist nicht möglich; stattdessen entwickelt sich die Handlung zu einem ziellosen Herumtasten, im Laufe dessen auch die Ausgangslage an Bedeutung verliert. Eine solche Orientierungslosigkeit ist ein typisches Merkmal postmoderner Literatur.</p>
<p>Der Roman ist, obwohl bisweilen sicher frustrierend, durchaus fesselnd und ist für jeden zu empfehlen, der in seinem Krimi nicht entspannte Beruhigung sucht, sondern vielleicht auch die Spiegelseite erfahren möchte.</p>
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		<title>Seventeen</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Aug 2010 21:59:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Entstehung Einer der politischsten Texte von Ōe Kenzaburō ist seine 1961 erschienene Erzählung Seventeen1. Diese wurde 1991 durch Luk van Haute ins Englische übersetzt und gemeinsam mit J2 in einem Band veröffentlicht. Es ist die Geschichte eines einsamen, orientierungslosen Jungen, &#8230; <a href="http://dokushoka.creeations.de/seventeen-112">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Entstehung</strong></p>
<p>Einer der politischsten Texte von Ōe Kenzaburō ist seine 1961 erschienene Erzählung <em>Seventeen</em><a name="sdfootnote1anc" href="#sdfootnote1sym"><sup>1</sup></a>. Diese wurde 1991 durch Luk van Haute ins Englische übersetzt und gemeinsam mit <em>J</em><sup><a name="sdfootnote2anc" href="#sdfootnote2sym">2</a></sup> in einem Band veröffentlicht. Es ist die Geschichte eines einsamen, orientierungslosen Jungen, der zu einem rechten Gewalttäter wird.</p>
<p>Realer Hintergrund für die Erzählung ist der <em>Asanuma Inejirō Shisatu Jiken</em><a name="sdfootnote3anc" href="#sdfootnote3sym"><sup>3</sup></a> 浅沼稲次郎刺殺事件 vom 13.10.1960. Dabei wird Asanuma 浅沼, der Vorsitzende der <em>Sozialistischen Partei Japans</em>, von dem 17-jährigen Yamaguchi Otoya 山口二矢 erstochen. Drei Wochen nach seiner Tat erhängt sich Yamaguchi in seiner Zelle und schreibt an die Wand: „Service for my country seven lives over. Long live His Majesty the Emperor.“<a name="sdfootnote4anc" href="#sdfootnote4sym"><sup>4</sup></a> Der Asanuma-Vorfall ist bei weitem nicht der einzige gewalttätige Übergriff in dieser hochpolitischen Zeit. Besonders macht ihn die Tatsache, dass er fotografiert und auf Video aufgenommen ist.<a name="sdfootnote5anc" href="#sdfootnote5sym"><sup>5</sup></a></p>
<p><strong>Handlung</strong></p>
<p>Es ist der siebzehnte Geburtstag des Erzählers. Traurig, weil keiner in der Familie mit ihm feiert, sitzt er in der Badewanne und masturbiert. Anschließend plagen ihn Schuldgefühle; er fühlt sich eklig und hässlich. Es kommt zu einer Diskussion mit seiner älteren Schwester, in der er argumentativ unterliegt. Er weint, schämt sich und ist zugleich wahnsinnig ärgerlich. Keiner beachtet ihn. Seine Wut entlädt sich. Mit dem Teetisch, den er tritt, verletzt seine Schwester. Er erwartet Tadel, gar Prügel. Stattdessen folgt die übliche, als liberale Erziehung getarnte, Ignoranz des Vaters. Einzige Konsequenz ist, dass ihm die finanzielle Unterstützung für ein mögliches Studium gestrichen wird und er nun für ein Tōdai-Stipendium pauken oder einen Job annehmen soll. Der Erzähler flüchtet stattdessen in Scham, Isolation und Gewaltphantasien. Am Morgen der Auswahlprüfungen für die Tōdai versagt er gänzlich. Beim Sporttest ist sein Scheitern am deutlichsten. Als wäre das nicht genug, beuriniert er sich schließlich vor aller Augen. Sein glückliches Leben der Kindheit ist vorbei. Auch alle Zukunftshoffnungen sind verwirkt. Nur weil er jetzt nicht heimgehen kann und mit jemanden zusammenseien möchte auf den er herabblicken kann, geht er mit einem Mitschüler als Klakeur zu einer Veranstaltung der <em>Partei des Kaiserlichen Weges</em><em><a name="sdfootnote6anc" href="#sdfootnote6sym"><sup>6</sup></a></em> 皇道派 (Kōdōha). Nach anfänglichem Desinteresse wird er zum Rechten. Sein Engagement für das Hauptquartier der Kōdōha wird von der Familie akzeptiert. In der Schule ist es ein kleiner Skandal. Ernstlichen Gegenwind gibt es auch hier nicht. Als Rechter wird er stark und selbstbewusst. Endgültige Vervollkommnung erfährt sein Rechtssein beim ersten sexuellen Erlebnis mit einer Frau in einem <em>Türkischen Badehaus</em>. Hier lernt er, dass er als Rechter 1.) die Augen andere besiegen kann, 2.) dass er als Rechter das Recht hat schwächeren Gräueltaten anzutun und 3.) dass er ein Kind des Tennōs<a name="sdfootnote7anc" href="#sdfootnote7sym"><sup>7</sup></a> ist. Von nun an stürzt er sich in die Beschäftigung mit dem Tennō und kampfsportliches Training. Am Ende der Erzählung steht seine Ankündigung eines Blutbades.</p>
<p><strong>Sexualität und der Tennō</strong></p>
<p>Ōe wird wegen <em>Seventeen</em> von den Rechten massiv angegriffen, sogar bedroht und von den Linken verachtet.<a name="sdfootnote8anc" href="#sdfootnote8sym"><sup>8</sup></a> Stein des Anstoßes ist die Verbindung von Sexualität und Tennō. Beim Orgasmus im Türkischen Badehaus ruft der Protagonist: 「ああ、おお、天皇陛下！燦然たる太陽の天皇陛下、ああ、おお、おお！」[280].</p>
<div id="sdfootnote1">
<h6><a name="sdfootnote1sym" href="#sdfootnote1anc">1</a> Originaltitel ist 『セヴンティーン』.</h6>
</div>
<div id="sdfootnote2">
<h6><a name="sdfootnote2sym" href="#sdfootnote2anc">2</a> Erscheint 1963. Originaltitel ist 『性的人間』.</h6>
</div>
<div id="sdfootnote3">
<h6><a name="sdfootnote3sym" href="#sdfootnote3anc">3</a> 『浅沼稲次郎』 in: ニッポニカ.</h6>
<h6>&lt;<a href="http://erf.sbb.spk-berlin.de/han/JapanKnowledgeICA/erf.sbb.spk-berlin.de/NetManBin/nmwebclt.asp?CONFIGID=JAPANKNOWLED&amp;LANGUAGE=German">http://erf.sbb.spk-berlin.de/han/JapanKnowledgeICA/erf.sbb.spk-berlin.de/NetManBin/nmwebclt.asp?CONFIGID=JAPANKNOWLED&amp;LANGUAGE=German</a>&gt;. 	Aufgerufen: 15.08.2010.</h6>
</div>
<div id="sdfootnote4">
<h6><a name="sdfootnote4sym" href="#sdfootnote4anc">4</a> Miyoshi, Masaos Vorwort in: Ōe: 2002. S. vii.</h6>
</div>
<div id="sdfootnote5">
<h6><a name="sdfootnote5sym" href="#sdfootnote5anc">5</a> 『浅沼稲次郎刺殺事件』 auf: YouTube. 	&lt;<a href="http://www.youtube.com/watch?v=D4KROpdUkrM">http://www.youtube.com/watch?v=D4KROpdUkrM</a>&gt;. 	Aufgerufen: 15.08.2010. Das Interesse an dem Video ist nachwievor groß. In 3 Jahren und 3 Monaten wird es weit über 1,3 Mio. Mal aufgerufen.</h6>
</div>
<div id="sdfootnote6">
<h6><a name="sdfootnote6sym" href="#sdfootnote6anc">6</a> Die <em>Partei des Kaiserlichen Weges</em> existiert von 1932 bis 1945. Sie ist radikal revisionistisch, 	nationalistisch und militaristisch ausgerichtet und beteiligt sich, u.a. an dem Staatsstreich vom 26.Februar 1936. Vgl. 『皇道派』 in: ニッポニカ.</h6>
<h6>&lt; <a href="http://erf.sbb.spk-berlin.de/han/JapanKnowledgeICA/erf.sbb.spk-berlin.de/NetManBin/nmwebclt.asp?CONFIGID=JAPANKNOWLED&amp;LANGUAGE=German">http://erf.sbb.spk-berlin.de/han/JapanKnowledgeICA/erf.sbb.spk-berlin.de/NetManBin/nmwebclt.asp?CONFIGID=JAPANKNOWLED&amp;LANGUAGE=German</a>&gt;. 	aufgerufen: 17.08.2010.</h6>
<h6>Es ist ein Anachronismus, dass Ōe in einer Erzählung, die circa 15 Jahre nach 	Auflösung der <em>Partei des Kaiserlichen Weges</em> angesiedelt ist, diese Partei wiederbelebt.</h6>
</div>
<div id="sdfootnote7">
<h6><a name="sdfootnote7sym" href="#sdfootnote7anc">7</a> Im Text ist die Rede von 「天皇の赤子」（てんのうのあかご）. Das ist eine Anspielung auf Kokutai国体（こくたい）, 	das Konzept vom Familienstaat (Kaiser als Vater aller Japaner), bei dem Herrscher und Untergebene durch absolute Loyalität verbunden sind. Bis Ende des Pazifischen Krieges sehr populäres Konzept. Vgl. 『国体』  in: 	JapanKnowledge/ニッポニカ.</h6>
<h6>&lt;<a href="http://erf.sbb.spk-berlin.de/han/JapanKnowledgeICA/erf.sbb.spk-berlin.de/NetManBin/nmwebclt.asp?CONFIGID=JAPANKNOWLED&amp;LANGUAGE=German">http://erf.sbb.spk-berlin.de/han/JapanKnowledgeICA/erf.sbb.spk-berlin.de/NetManBin/nmwebclt.asp?CONFIGID=JAPANKNOWLED&amp;LANGUAGE=German</a>&gt;. 	Aufgerufen: 10.08.2010.</h6>
</div>
<div id="sdfootnote8">
<h6><a name="sdfootnote8sym" href="#sdfootnote8anc">8</a> Vgl. Miyoshi [Vorwort] in Ōe. 2002. vii f.</h6>
</div>
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		<title>Riskante Begierden</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Aug 2010 21:55:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Sagara Hinako ist noch keine zwanzig. Otaka Masataka schon Ende dreißig. 1941, zu Beginn des Krieges, heiraten die beiden gegensätzlichen Charaktere. Masataka, Internist mit eigener Praxis, gilt als humorvoll, tugendhaft und bedacht. Hinako hingegen ist unüberlegt, naiv und eigensinnig. Ihre &#8230; <a href="http://dokushoka.creeations.de/riskante-begierden-2-110">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sagara Hinako ist noch keine zwanzig. Otaka Masataka schon Ende dreißig.  1941, zu Beginn des Krieges, heiraten die beiden gegensätzlichen Charaktere. Masataka, Internist mit eigener Praxis, gilt als humorvoll, tugendhaft und bedacht. Hinako hingegen ist unüberlegt, naiv und eigensinnig.</p>
<p>Ihre Familien, angesehene Ärzteclans aus Tokyo,  arrangierten die Ehe. Was die Familien anbelangt, könnten auch sie nicht unterschiedlicher sein.<br />
Hinako lebt allein mit ihrem Vater, wohlhabender und eigenwilliger Leiter einer privaten Klinik. Ihre Mutter verstarb früh, noch während Hinakos Kindheit. Die Ursachen sind nicht eindeutig. Gerüchte kreisten lange um die Familie. Ihr Adoptivbruder Kunio, Erbe des Sagara-Vermögens und vorgesehener Ehemann Hinakos, nahm sich einige Jahre später in ihrem Beisein das Leben. Die Gründe bleiben unersichtlich.</p>
<p>Die Otakas leben offensichtlich fern von Tod und Sorgen, eine Großfamilie wie aus dem Bilderbuch. Bis auf Masatakas Mutter, Hanna. Sie ist ein Mischling, halb deutsch, halb Japanerin. Als Kind kam sie aus verwirrenden Gründen nach Japan. Auch hier kursierten Spekulationen um die sonst anständige Familie Otaka.</p>
<p>Trotz der Unterschiede, trotz des Alters, trotz der Vernunftvermählung, verläuft die Ehe harmonisch. Das einzige Problem scheint die Findung einer korrekten Anrede für die Eheleute. Im Dschungel der japanischen Höflichkeitsfloskeln wie anata, anta, kimi oder omae weiß die junge Hinako nicht recht, welche Bezeichnung angebracht wäre. Passend für ihren Gatten, einen geschätzten Arzt. Ein scheinbar kleines, jedenfalls lösbares Problem.</p>
<p>Aber da ist noch etwas. Hinako merkt es erst nach einigen Erfahrungen. Versteht es nach mehreren Monaten. Ihr Mann ist zärtlich, doch verlangt er Behandlungen von ihr, die sie zunächst nicht als solche registriert. Dann nicht weiß, wie sie umzusetzen sind, ihr aber von Beginn an befremdlich erscheinen.</p>
<p>Ist ihr Ehemann in der Öffentlichkeit doch sonst ein so würdevoller, stolzer Mann, einer der seine Frau schon mal vor dem Hauspersonal in ihre Schranken verweist.</p>
<p>Doch alleine in der Intimität eines Liebespaares, abgeschirmt von der Außenwelt, verschwimmen die Geschlechterrollen und Hinako bekommt plötzlich die Zügel in die Hand gedrückt.</p>
<p>Langsam und behutsam führt Masataka seine junge Frau an das Gefühl der Erhabenheit, an das Vergnügen sadistischer Phantasien heran. Gemeinsam entwickeln sie immer neue, gewaltsamere Varianten, sich sexuelle Befriedigung zu verschaffen.</p>
<p>Während in Japan der Krieg tobt, flüchtet sich das Paar zunehmend in ihre eigene Ehe, ihr eigenes unmoralisches Glück. In ihre eigene Lust am Schmerz erzeugen und Schmerz erleiden.</p>
<p>Als der Krieg in seinen letzten Atemzügen liegt, muss auch einer der Liebenden sein Leben hinter sich lassen…</p>
<p>Kōno Taeko erzählt ihre Geschichte nicht dramatisch. Nicht explodierend. Sie erzählt sie behutsam. Sie entwickelt die Geschichte, wie sich Hinakos Gespür für den Sadismus entwickelt. So nüchtern und direkt die Autorin die Szenen zwischen der progressiven Hinako und dem devoten Masataka beschreibt, genauso vorsichtig sind sie auch in den Verlauf dieser Liebesgeschichte eingebettet.</p>
<p>Der Leser erfährt viel über den Alltag Hinakos, lernt das Japan des zweiten Weltkriegs kennen, begreift die japanische Einstellung jener Zeit. Die geheimen Phantasien Masatakas und Hinekos spielen nur eine Nebenrolle. Treten nur rar und angedeutet in Erscheinung. Je weiter man dem Roman jedoch folgt, je weiter Japan leidet, je glücklicher das Ehepaar lebt, desto gefährlicher Entwickelt sich das Verlangen der beiden Hauptcharaktere.</p>
<p>In Japan hochgelobt, wurde der Roman 1991 mit dem Noma-Preis ausgezeichnet.</p>
<p>Kōno Taeko selbst erhielt bereits vorher den Akutagawa Preis, den Joryu Literatur Preis, den Tanizaki Preis und den Yomiuri Preis. Als roter Faden in ihren Werken gilt die Erotik, allem voran der Sadomasochismus.</p>
<p>Weitere in Deutschland veröffentlichte Werke sind „Fleischknochen – Familie im Jenseits“ (1985) und „Knabenjagd“ (1988).</p>
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		<title>Ochikubo monogatari</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Aug 2010 21:51:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Ochikubo monogatari wurde in der Heian-Zeit in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhundert geschrieben. Der Autor des Romans ist unbekannt. Im Grunde genommen ist Ochikubo monogatari eine Unterhaltungslektüre, der ein weltberühmtes Märchenmotiv über die böse Stiefmutter und die arme &#8230; <a href="http://dokushoka.creeations.de/ochikubo-monogatari-108">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das <em>Ochikubo monogatari</em> wurde in der Heian-Zeit in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhundert geschrieben. Der Autor des Romans ist unbekannt. Im Grunde genommen ist <em>Ochikubo monogatari </em>eine Unterhaltungslektüre, der ein weltberühmtes Märchenmotiv über die böse Stiefmutter und die arme Stieftochter zugrunde liegt.  Neben den bekannten Märchenformeln verwendet der Verfasser eine für jene Zeit völlig neue Technik: Die Entwicklung der Handlung wird überwiegend durch Dialoge, Briefe und Gedichte gezeigt, was dem Roman eine große Lebendigkeit verleiht. Der Verfasser wendet sich oft unmittelbar an die Leser, um ihre Aufmerksamkeit zu lenken oder ihnen mitzuteilen, dass er einige unwichtige Details ausgelassen hat. Er idealisiert<em> </em>die Heian-Welt, schildert aber dabei wider seinen Willen ein etwas unansehnliches Bild: Michiyori, der Schwager des Kaisers und sein allmächtiger Favorit, ergreift die ganze Macht im Land und regiert es nach eigenem Ermessen zugunsten seiner Familie, was der historischen Wahrheit entspricht, denn zu jener Zeit  war die reale Macht tatsächlich in den Händen einer mächtigen Familie,  der Fujiwara.</p>
<p>Obwohl in <em>Ochikubo monogatatari</em> keine offenbaren Wunder geschehen, werden der Protagonistin, der benachteiligten Stieftochter Ochikubo, beinahe märchenhafte Tugenden zugesprochen: Sie kann wunderbar Zither spielen und dichten, ist gutherzig, großzügig und fleißig. Obwohl der Charakter von Ochikubo etwas schemenhaft wirkt, kann man in ihrem Verhalten auch einige lebendige Züge finden. Lange Zeit kann sie an ihr Glück nicht glauben, ist misstrauisch und vorsichtig.  Ochikubo hat mehrere Halbschwestern, von denen nur zwei in der Geschichte tatsächlich auftreten und für die Gleichgültigkeit zu Ochikubos Schicksal bestraft werden (eine für das Märchen typische Vorliebe für drei agierende Personen). Ochikubos Halbschwestern werden als Nichtstuerinnen geschildert, die ihren Nächsten zwar eigentlich nichts Böses, aber auch nichts Gutes tun können. Dabei sind sie ziemlich geizig. Sie beschenken ihre Diener nicht, was vom Standpunkt des Autors aus eine große Sünde ist.</p>
<p>Michiyori, Ochikubos Geliebter, rächt sich schonungslos an ihren Feinden. Am Ende des Romans erfolgt eine ziemlich lange Apotheose des Protagonisten, bei der er mit guten Taten seine Großzügigkeit beweist.</p>
<p>Die Nebenfiguren des Romans sind lebendig und real. Obwohl die Stiefmutter  nach dem Märchengesetz böse, geizig und töricht ist, wirkt ihre Gestalt sehr lebensnah.. Sie bleibt sich selbst treu bis zum Ende der Geschichte. Mit Humor und Sympathie schildert der Autor die Figuren der Diener. Akogi, die treue Dienstmädchen der Protagonistin, stellt ihre Herrin manchmal in den Schatten.</p>
<p>Am Ende des <em>Ochikubo monogatari</em> wird ein ideales Familienglück dargestellt. Schlicht und einfach zeichnet der Autor alle positiven Figuren des Romans mit Titeln und Rängen aus. Mit Ausführlichkeit und Sachkenntnis werden alle Geschenke beschrieben, die an die Dienstleute verteilt werden. Im Roman finden wir viele bildreiche Beschreibungen der Lebensweise und  Bräuche der Heian-Zeit. Obwohl das <em>Ochikubo monogatari </em>insgesamt<em> </em>etwas schlicht und naiv wirkt,  enthält es viel Humor und feine Beobachtungen aus dem Leben und ist daher auf alle Fälle lesenswert.</p>
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		<title>Seinen (Youth)</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Aug 2010 21:43:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Zu Mori Ōgai Mori Ōgai (egtl. Mori Rintarō) lebte von 1862 bis 1922. Er war der älteste Sohn einer Familie mit langer Ärzte-Tradition. 1872 zog er mit seiner Familie nach Tōkyō und begann dort Deutsch zu lernen. Nach seinem Universitätsabschluss &#8230; <a href="http://dokushoka.creeations.de/seinen-youth-105">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Zu Mori Ōgai</strong></p>
<p>Mori Ōgai (egtl. Mori Rintarō) lebte von 1862 bis 1922. Er war der älteste Sohn einer Familie mit langer Ärzte-Tradition. 1872 zog er mit seiner Familie nach Tōkyō und begann dort Deutsch zu lernen. Nach seinem Universitätsabschluss in Medizin trat er der Armee bei und kam 1884 zum Studium der militärischen Hygiene nach Deutschland. Er gehörte damit zu den ersten japanischen Studenten, die auf Regierungskosten ins Ausland geschickt wurden. Während seines Aufenthalts in Deutschland, der bis 1888 dauerte, befasste er sich aus persönlichem Interesse mit deutscher Literatur und Philosophie, sowie der Literatur anderer europäischer Länder. Bei seiner Rückkehr nach Japan verwendete er viel Zeit darauf,  Werke und Ideale westlicher Literatur durch Übersetzungen und Aufsätze bekannt zu machen; zudem veröffentlichte er eigene Werke der Erzählliteratur und Dichtung. Zu seinen berühmtesten, auch ins Deutsche übersetzten Werken zählen 舞姫 (maihime, dt. &#8216;Die Tänzerin&#8217;), ヰタ・セクスアリス (wita sekusuarisu, dt. &#8216;Vita Sexualis&#8217;) und 雁 (gan, dt. &#8216;Die Wildgans&#8217;).</p>
<p>Zum Roman</p>
<p>Seinen wurde zwischen März 1910 und August 1911 als Fortsetzungsroman im <em>Subaru</em>Journal veröffentlicht; es beinhaltet 24 Kapitel und zieht sich über einen Zeitraum von etwa zwei Monaten. <em>Seinen</em> wird auch als „Roman der Selbstfindung“ bezeichnet; es ist Ōgais Versuch, seinen eigenen „Bildungsroman“ zu schreiben. Als Vorbild diente Natsume Sōseki und dessen Roman 三四郎 (<em>Sanshirō</em>), der 1908 publiziert wurde.</p>
<p>Protagonist des Romans ist Koizumi Jun&#8217;ichi, ein junger Mann, der aus der Provinz nach Tōkyō kommt, um sich schriftstellerisch zu verwirklichen. Die Handlung dreht sich um die Darstellung des Prozesses, in welchem Jun&#8217;ichi Weisheit und Reife in Verbindung mit Selbsterkenntnis erlangt. Am Rande der Geschichte kommen Figuren vor, die sowohl dem Vorbild realer Personen, als auch Figuren aus anderen Erzählungen  Ōgais nachempfunden sind. Beispiel hierfür ist etwa Hirata Fuseki, der Natsume Sōseki darstellen soll und bei dessen Vortrag über Henrik Ibsens Theaterstück &#8216;John Gabriel Borkman&#8217; Jun&#8217;ichi unter den Zuhörern ist.</p>
<p>Die Aspekte, die in <em>Seinen </em>betrachtet werden, fallen unter zwei Kategorien: beide haben die Notwendigkeit gemeinsam, einen Weg zu finden, um den Sprung von der Jugend zum Erwachsensein zu schaffen. Die Reife, die der Protagonist anstrebt, beinhaltet dabei das Verständnis der eigenen physischen und emotionalen Bedürfnisse und Antriebe.</p>
<p>Zwei zentralen Figuren sind Ōmura Sōnosuke und Sakai Reiko.  Ōmura ist für Jun&#8217;ichi eine Art intellektuelles Vorbild. Er präsentiert eine Sichtweise des &#8216;Selbst&#8217;, die den Schlüssel zum geistigen Wachstum bereitstellt und damit auch das Ende von Jun&#8217;ichis Suche. Emotional gesehen ist Jun&#8217;ichi vor allem von  Sakai Reiko abhängig, die im Roman Mrs. Sakai genannt wird. Als Witwe verkörpert sie die männliche Fantasie einer Frau, die sexuell erfahren ist und aufgrund des Unglücks, ihren Mann verloren zu haben, ist sie nicht länger durch gesellschaftlichen Konventionen beschränkt. Sakai verkörpert die sexuelle Versuchung, die Jun&#8217;ichi von seinem Weg der inneren Suche abbringen will.</p>
<p>Zum Ende des Romans, wenn Jun&#8217;ichi zu einem starken und einsichtigen Verständnis seines eigenen Zustandes gelangt, findet er die Kraft die Abhängigkeiten – sowohl seine emotionale als auch intellektuelle – abzulegen. In diesem Moment ist er zum ersten Mal fähig sich als Schriftsteller auszudrücken. Genau an diesem Punkt stellt er auch fest, dass er als Erwachsener behandelt wird.</p>
<p>Wichtige Themen, die im Roman behandelt werden, sind unter anderem Individualismus und Naturalismus (bzw. Anti-Naturalismus). Ōgai weiß, dass es für die Erzählung einer menschlichen Entwicklung kein klares Ende gibt. Ōgai selbst sagt dazu:</p>
<p>„For now, this is where I&#8217;ll end my work, Seinen. Having written only a small portion of what I 	planned, 	the number of days covered in the story comes to only 60 to 70. Beginning with the season when the frost 	begins to settle, I finally managed to write as far as the early winter season, before the snow begins to fall 	heavily. Two years have passed while writing that small amount. In any case, this is where I&#8217;ll end for now.”</p>
<p><strong>Weiterführende Literatur </strong></p>
<p>Auestad, Reiko Abe (2006): „<em>Ibsen&#8217;s individualism in Japan: John Gabriel Borkman and Ōgai Mori&#8217;s Seinen (Youth, 1910)</em>“, Ibsen Studies, Vol. 6, Nr. 1, S. 44-67.</p>
<p>Washburn, Dennis (Winter 1995): „<em>Manly Virtue and the Quest for Self: The Bildungsroman of Mōri Ōgai</em>“, in: Journal of Japanese Studies, Vol. 21, Nr. 1, S. 1-32.</p>
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		<title>Ukigumo</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Aug 2010 20:28:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[In Futabatei Shimeis Roman Ukigumo (1887-1889) wird eindrucksvoll die Problematik des Individuums dargestellt. Während der Meiji-Zeit zieht der junge Bunzô, dessen Vater, ein Angehöriger einer alten Samurai-Familie, früh verstirbt, nach Tôkyô zur Familie seines Onkels, um seine Mutter finanziell zu &#8230; <a href="http://dokushoka.creeations.de/ukigumo-2-101">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In Futabatei Shimeis Roman <em>Ukigumo</em> (1887-1889) wird eindrucksvoll die Problematik des Individuums dargestellt.<br />
Während der Meiji-Zeit zieht der junge Bunzô, dessen Vater, ein Angehöriger einer alten Samurai-Familie, früh verstirbt, nach Tôkyô zur Familie seines Onkels, um seine Mutter finanziell zu entlasten. Da sein Onkel sich selten in Tôkyô aufhält, übernimmt seine Tante Omasa in dessen Abwesenheit die Führungsrolle in der Familie. Bunzô wird von ihr erst vollständig akzeptiert, als er nach seiner schulischen Ausbildung eine Anstellung als Verwaltungsbeamter findet. Etwa zur gleichen Zeit verliebt er sich in seine Cousine Osei, was Omasa nicht entgeht. Auch Osei scheint Zuneigung für Bunzô zu empfinden, und so gibt Omasa zu verstehen, dass sie gegen eine Heirat der beiden nichts einzuwenden hat.</p>
<p>Ihre Ansicht ändert sich jedoch, als Bunzô seinen Arbeitsplatz verliert; jetzt betrachtet sie ihn lediglich als Versager. Sein Arbeitskollege Noboru hingegen ist beruflich erfolgreich und versucht, sich Osei anzunähern. Allmählich schwinden Oseis Gefühle für Bunzô und sie wendet sich dem ihr schmeichelnden Noboru zu. Infolge dessen zerstreitet sich Bunzô sowohl mit Osei als auch mit seinem ehemaligen Kollegen.</p>
<p>Doch noch während Omasa erwägt, ihre Tochter mit Noboru zu verheiraten, verliert Osei auch das Interesse an diesem. Sie erkennt jedoch, dass sie für die Heirat grundsätzlich bereit ist.</p>
<p>Schließlich lässt sie auch von ihrer Feindseligkeit Bunzô gegenüber ab, so dass er sich zu einem Versöhnungsversuch entschließt. Von ihrer Reaktion will er abhängig machen, ob er das Haus seiner Verwandten verlässt oder nicht.</p>
<p>Durch die unterschiedlichen Charaktere wird ein komprimiertes Bild der Meiji-Gesellschaft gezeichnet.<br />
Der ehrenvolle Bunzô, der vor allem durch seine moralischen Grundsätze in der neuen, sich wandelnden Zeit zunehmend als Verlierer hervorgeht, repräsentiert die Samurai in der Meiji-Ära.<br />
Osei stellt das moderne, gebildete aber oberflächliche Mädchen dar.<br />
Ihre Mutter hingegen verkörpert die gerissene und alles berechnende Frau der Großstadt.<br />
Die wohl größte Gruppe der Meiji-Gesellschaft findet man in Noboru wieder: den auf die Karriere konzentrierten, eigennützigen jungen Mann.</p>
<p>Futabatei verstand den Roman als Spiegel der Welt, wie sie wirklich ist. Deshalb schrieb er <em>Ukigumo</em> in einem modernen Umgangssprachstil. Die Beziehungen zwischen den verschiedenen Personen werden besonders in seinen Dialogen sehr realistisch dargestellt.<br />
Der Schwerpunkt liegt nicht auf komplexen Handlungsschemen, sondern auf den Charakteren. Diese bestimmen alle Geschehnisse der Geschichte.</p>
<p>Ein zentraler Aspekt des Werks ist die Betonung des Individuums. Der Leser erhält durch innere Monologe Einsicht in die Gedanken- und Gefühlswelt Bunzôs. Das Innere eines Menschen und die Außenwelt werden gegenüber gestellt; in Bunzôs Leben sind diese unvereinbar. Der Autor bricht somit einerseits mit der konfuzianischen Denkweise von Einheit und Harmonie, die Vielfältigkeit und Tiefe nicht zulassen. Andererseits kommt dadurch auch die missliche Lage, in der sich das Individuum befindet, zum Vorschein: Bunzô leidet sehr unter dem Verlust der Harmonie zwischen Omasa, Osei und ihm selbst.</p>
<p>Interessant ist, dass der Leser keine objektiven Urteile seitens des Erzählers erhält. So ist es ihm selbst überlassen, ob er Bunzôs Einschätzungen vertraut und beispielsweise Noboru als hinterhältige Person, die nur den Menschen schmeichelt, aus denen er Nutzen ziehen kann, empfindet.</p>
<p><em>Ukigumo </em>wird gern als der erste moderne japanische Roman bezeichnet.</p>
<p>Mich persönlich hat dieses Werk besonders durch die tiefen Charaktere und die subjektive, realistische Erzählkunst fasziniert.</p>
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		<title>Unauslöschlich</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Aug 2010 20:22:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Karishakuhô, so der Originaltitel des von Sabine Mangold ins Deutsche übertragenen Romans, bedeutet soviel wie eine vorläufige Entlassung aus dem Strafvollzug auf Bewährung. Kikutani, ein ehemaliger Gymnasiallehrer Ende Fünfzig, wird, nachdem er bereits 16 Jahre seiner ursprünglich lebenslangen Haftstrafe verbüßt &#8230; <a href="http://dokushoka.creeations.de/unausloschlich-98">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Karishakuhô</em>, so der Originaltitel des von Sabine Mangold ins Deutsche übertragenen Romans, bedeutet soviel wie eine vorläufige Entlassung aus dem Strafvollzug auf Bewährung. Kikutani, ein ehemaliger Gymnasiallehrer Ende Fünfzig, wird, nachdem er bereits 16 Jahre seiner ursprünglich lebenslangen Haftstrafe verbüßt hat, aufgrund einer solchen wieder auf freien Fuß gesetzt. Nach der langfristigen tagtäglichen bis ins kleinste Detail vorgegebenen und überwachten Routine innerhalb der Vollzugsanstalt erscheint ihm nun die Welt jenseits der Gefängnismauern absolut fremd: der Lebensstil, die Preise, der Währungskurs, und vor allem das Stadtbild Tôkyôs haben sich zu seinem Entsetzen extrem gewandelt. Zwar untersteht Kikutani auch weiterhin strenger Aufsicht, wird jedoch zeitgleich gezwungen, sich weitgehend selbstständig ein eigenes Leben aufzubauen, um wieder ein „wertvolles Mitglied der Gesellschaft zu werden“. Hatte er bislang seiner Entlassung mit großer Vorfreude entgegengesehen, so sehnt er sich anfangs doch stark in die sichere, stille und geregelte Atmosphäre der Anstalt zurück, fürchtet Selbstverantwortung und Menschenmassen. Die Scham und die entsetzliche Angst, jemand könne etwas über seine Vergangenheit erfahren, verlassen Kikutani auch im Laufe seiner ihm zugetragenen Arbeitsstelle auf einer auswärts gelegenen Hühnerfarm nicht.</p>
<p>Eines Tages allerdings beschließt er, sich des Nächtens heimlich in seinen Heimatort zurück zu stehlen, um dort unter Umständen einen Weg zu finden, seine ihn stets innerlich aufwühlende Tat auf irgendeine Weise zu verarbeiten. Ein flammendes Zinnoberrot und gleichzeitig eine unendliche Gelassenheit ergriffen damals von dem hoch angesehenen Lehrer Besitz, als er seine ihm stark vertraute Gattin Emiko und dessen Liebhaber Mochizuki im eigenen Ehebett beim Liebesspiel erblickte. Sie erstach er, der Nebenbuhler konnte verwundet entkommen – also ließ Kikutani kurzerhand dessen Haus in Flammen aufgehen, infolgedessen jedoch nicht der Gegenspieler, sondern dessen gebrechliche Mutter ums Leben kam. Im Zuge des folgenden Gerichtsprozesses brach sein ganzes soziales Umfeld aus Scham den Kontakt zu ihm ab – nur sein Bruder ließ ihm fortan heimlich sporadische Briefe und Zuwendungen zukommen. Sein Leben als isolierter Ausgestoßener begann..</p>
<p>Dies alles Revue passieren lassend, wundert sich der im Grunde naive und sanftmütige Kikutani lediglich über die eigene Fähigkeit zu solch einem Werk und kommt darüber hinaus zu dem bitteren Schluss, dass er das Geschehene in keinster Weise bereut, sondern es nach wie vor als logische Konsequenz der Ereignisse betrachtet. Ohne wie zunächst angedacht Buße zu tun kehrt er nach Tôkyô zurück.</p>
<p>Zugunsten der weiteren Resozialisierung wird Kikutani von seinem Bewährungshelfer zur erneuten Heirat mit der ebenfalls betagteren Toyoko gedrängt. Zunächst sträubt er sich (allerdings nur innerlich), fügt sich jedoch bald wie gewohnt und beginnt sogar, das neue Eheleben zu genießen. Die forsche Toyoko jedoch gibt sich mit Kikutanis Bewährungsstatus nicht zufrieden und treibt ihn hartnäckig an, eine endgültige Strafbefreiung anzustreben – dazu allerdings müsste er offenkundig seine Tat bereuen und um die Ermordeten trauern, um nach einer weiteren langen Frist die amtliche Strafbefreiung seitens der Behörden zu erlangen. Als Toyoko im gemeinsamen Zuhause ohne Vorwarnung Traueraltäre für Emiko und die „alte Frau“ errichtet, kehrt das verloren geglaubte Zinnoberrot in Kikutanis Seele zurück &#8230;</p>
<p>Lesern des Okzidents fällt es oft und gerade im akademischen Kontext schwer, Literatur nicht nach abendländisch-ontologischen sowie ethischen Kriterien zu interpretieren oder zu behandeln. Der „Sinn“ oder auch das „die-Moral-von-der-Geschicht“ dieses Romans, sollte derartiges bestehen, kann nach jenen Gesichtspunkten vielerlei sein: eine Sozial-, Gesellschafts- oder Charakterstudie, eine Kritik an der Jurisdiktion Japans und der damit verbundenen Obsession für Regeln und Gehorsam in diesem Kulturraum. Oder: Gewalt als letzter Ausweg des unter dem bestimmenden allmächtigen System leidenden Individuums. Damit käme man nicht umhin, dem Autor eine gewisse moralische Motivation zu unterstellen – und geriete unweigerlich ins Schleudern: spräche Yoshimura sich demnach für eine regelmäßigere Verhängung der Todesstrafe oder eben mildere Urteile aus, befürwortet oder verdammt er Bewährungserlasse für Mörder, etc.?</p>
<p>In der Tat gelingt es Yoshimura, solches souverän unbeantwortet stehen zu lassen, den Leser weder zu bedrängen noch zu bevormunden, und dies, obwohl aus der gewählten Perspektive des auktorialen Erzählers ausschließlich die Innenwelt Kikutanis wiedergegeben wird. Man darf, ohne sich genötigt zu sehen, für den Protagonisten oder eben dessen Umfeld in irgendeiner Weise Partei ergreifen oder Verständnis aufbringen zu müssen, mit dem Plot mitschwimmen. Yoshimuras Stil bleibt schnörkellos, lapidar und abgeklärt ohne dabei an Emotionalität zu verlieren, erlangt gerade dadurch eine gewisse reizvolle Eleganz und passt einfach durchgehend sowohl zum Beschriebenen als auch zur Thematik.</p>
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